KI-Sichtbarkeit messen: Der neue KI-Bericht in der Search Console, Bing AI Performance und GA4
Deine Sichtbarkeit in der KI-Suche kannst du seit diesem Jahr zu einem guten Teil mit kostenlosen Daten aus erster Hand messen. Stand Oktober 2026 zählt der Leistungsbericht zu generativen KI-Funktionen in der Search Console deine Impressionen in den Übersichten mit KI und im KI-Modus, die Bing Webmaster Tools zählen, wie oft Copilot und Bings KI-Zusammenfassungen dich zitieren, und GA4 hat seit Mai 2026 einen eigenen Standard-Channel „KI-Assistent“ für Besuche aus ChatGPT, Gemini und Co. Was keine dieser Quellen zeigt: Klicks aus Googles KI-Funktionen als eigene Zahl, die Suchanfragen hinter deinen KI-Impressionen und wie oft ChatGPT, Claude oder Perplexity dich erwähnen, ohne dass jemand klickt. Ein brauchbarer KI-Sichtbarkeits-Report kombiniert die drei Quellen und sagt offen, was fehlt.
Die deutschsprachigen Treffer zu „KI-Sichtbarkeit messen“ stammen größtenteils von Anbietern, die Prompt-Tracking verkaufen, und kommen erwartbar zu dem Schluss, dass du eines brauchst. Ich halte mich hier an das, was Google und Microsoft in ihrer eigenen Dokumentation schreiben, Stand Oktober 2026.
Was du heute messen kannst und was nicht
| Frage | Quelle | Messbar? |
|---|---|---|
| Wie oft wurden Links zu meiner Website in Übersichten mit KI und im KI-Modus gezeigt? | Search Console, Leistungsbericht zu generativen KI-Funktionen | Ja, Impressionen nach Seite, Land, Datum, Gerät |
| Wie viele Klicks kamen aus Übersichten mit KI oder dem KI-Modus? | Search Console, GA4 | Nein. Stecken in den organischen Klicks, nicht trennbar |
| Welche Suchanfragen haben meine KI-Impressionen ausgelöst? | Search Console | Nein, der KI-Bericht hat keine Dimension für Suchanfragen |
| Wie oft zitieren Copilot und Bings KI-Zusammenfassungen meine Seiten? | Bing Webmaster Tools, AI Performance | Ja, Zitierungen pro Seite und eine Stichprobe von Grounding Queries |
| Wie viele Besuche kommen aus ChatGPT, Gemini, Copilot und Co.? | GA4, Channel „KI-Assistent“ | Ja, sofern ein Referrer ankommt, den GA4 erkennt |
| Wie oft nennen ChatGPT, Claude oder Perplexity mich ohne Klick? | Keine Daten aus erster Hand | Nein. Nur Prompt-Stichproben kommen dem nahe |
Kurz: Google liefert Impressionen, Bing Zitierungen, GA4 Besuche. Du brauchst alle drei und kannst sie nicht zusammenzählen.
Search Console: den KI-Bericht richtig lesen
Google hat die neuen Berichte am 3. Juni 2026 angekündigt, zunächst für einen Teil der Websites. Seit dem 31. August 2026 sind sie weltweit für alle Websites verfügbar. Es gibt zwei: einen für die Google Suche und einen für Discover.
Der Bericht für die Suche deckt die Übersichten mit KI und den KI-Modus ab, Experimente aus Search Labs nicht. Er hat genau eine Messgröße: Impressionen, also wie oft Links zu deiner Website in einer generativen KI-Funktion angezeigt wurden. Gruppieren kannst du nach Seite, Land, Datum und Gerät, filtern nach Suchtyp: Textsuche oder multimodale Suche wie Google Lens und Circle to Search.
Vier Details verändern, wie du die Zahlen liest:
- Keine Klicks, keine CTR, keine Position, keine Suchanfragen. Google schreibt in der Ankündigung nur, dass „im Laufe der Zeit“ weitere Messwerte dazukommen könnten, ohne Datum.
- Das Diagramm zählt pro Website, die Tabelle pro Seite. Erscheinen zwei deiner Seiten in derselben KI-Antwort, zählt das Diagramm eine Impression, die Seitentabelle zwei. Deshalb weichen die Summen voneinander ab. Mit einem URL-Filter zählt auch das Diagramm pro URL.
- Die Daten sind nicht neu, nur neu sortiert. Laut Hilfeseite enthält der Bericht Daten aus dem Suchtyp „Web“ des normalen Leistungsberichts. Deine Impressionen und Klicks aus den Übersichten mit KI waren also schon immer im Leistungsbericht. Der neue Bericht isoliert nur die Impressionen.
- Es gelten die üblichen Grenzen des Leistungsberichts, darunter maximal 1.000 Tabellenzeilen. Über den Export-Button lädst du Diagramm und Tabelle herunter; Werte, die im Bericht als
~oder-erscheinen, werden in der Datei zu Nullen. Die Hilfeseite beschreibt den Export, die Search Console API erwähnt sie nicht.
Taucht der Bericht gar nicht auf, nennt Google zwei Gründe: zu wenige Impressionen in diesen Funktionen oder deine Website ist über die Einstellung „Generative KI-Funktionen der Google Suche“ ausgeschlossen. Was dieser Ausschluss bewirkt und kostet, steht in meinem Artikel zu KI-Crawlern und robots.txt.
Der Bericht für Discover funktioniert ähnlich, mit zwei Unterschieden: Er hat Seiten, Länder und Datum, aber keine Geräte. Und er zählt jede Seite einzeln, auch wenn zwei deiner Seiten in derselben Discover-Liste stehen.
Warum deine durchschnittliche Position seltsam aussieht
Die Klicks bleiben im normalen Leistungsbericht. Laut Googles Erklärung zu Impressionen, Position und Klicks zählt ein Klick auf einen externen Link in einer Übersicht mit KI oder im KI-Modus als Klick. Eine Übersicht mit KI belegt eine einzige Position in den Suchergebnissen, und alle Links darin bekommen diese Position. Eine Folgefrage im KI-Modus zählt als neue Suchanfrage. Eine Seite, die in einer Übersicht mit KI ganz oben zitiert wird, kann also Position 1 mit sehr wenigen Klicks melden. Bevor du daraus ein CTR-Problem machst, schau nach, ob die Seite KI-Impressionen hat.
Die eine Kennzahl, die sich lohnt
Weil die KI-Daten eine Teilmenge der Web-Daten sind, kannst du beide pro Seite und Zeitraum nebeneinanderlegen:
- Exportiere den KI-Bericht nach Seiten für die letzten 28 Tage.
- Exportiere den normalen Leistungsbericht (Suchtyp Web) nach Seiten für dieselben 28 Tage, mit Klicks und Impressionen.
- Verbinde beide über die URL und rechne KI-Impressionsanteil = KI-Impressionen ÷ Web-Impressionen gesamt.
Seiten mit hohem KI-Impressionsanteil und sinkenden Klicks schaust du dir zuerst an: Google nutzt sie in KI-Antworten, und weniger Leute klicken weiter. Das passt zu unabhängiger Forschung. Das Pew Research Center hat die Browserdaten von 900 Erwachsenen in den USA aus dem März 2025 ausgewertet: Mit KI-Zusammenfassung klickten sie bei 8 % der Besuche auf ein klassisches Ergebnis, ohne bei 15 %. Auf einen Link in der Zusammenfassung selbst klickten sie bei 1 % der Besuche. Das sind US-Daten von 2025, keine Prognose für deine Website, aber sie erklären, warum Impressionen und Klicks auseinanderlaufen.
Verfolge den Anteil nach Seitengruppen (Produktseiten, Ratgeber, Kategorien), nicht pro einzelner URL. Einzelne Seiten schwanken von Woche zu Woche zu stark.
Hat eine Seite, die du in KI-Antworten erwarten würdest, null KI-Impressionen, prüf zuerst die Grundlagen. Mein Index-Check testet eine URL auf die technischen Blocker, die sie aus dem Index halten: Statuscode, noindex, robots.txt, Canonical und Sitemap. Eine Seite, die nicht indexiert ist, kann auch in keiner Übersicht mit KI erscheinen.
Bing Webmaster Tools AI Performance: Zitierungen und Grounding Queries
Microsoft hat AI Performance am 10. Februar 2026 als öffentliche Vorschau gestartet. Der Bericht deckt Microsoft Copilot, KI-generierte Zusammenfassungen in Bing und „ausgewählte Partner-Integrationen“ ab. Die Messgrößen:
- Total Citations: wie oft deine Inhalte im Zeitraum als Quelle in KI-Antworten angezeigt wurden.
- Average Cited Pages: wie viele verschiedene Seiten deiner Website pro Tag zitiert wurden.
- Zitierungen pro Seite und der Verlauf über die Zeit.
- Grounding Queries: die Suchbegriffe, mit denen die KI deine Inhalte abgerufen hat. Microsoft weist darauf hin, dass es sich um eine Stichprobe handelt. Das sind Abruf-Anfragen der KI, nicht die Prompts der Nutzer.
Am 16. Juni 2026 kamen vier Vorschau-Funktionen dazu: Intents (Grounding Queries nach Kategorien wie informational, commercial, navigational), Topics (thematische Cluster), Citation Share (dein Anteil an allen Zitierungen zu einer Grounding Query) und Compare (Vergleich mit einem früheren Zeitraum). Microsoft stellt ausdrücklich klar, dass Citation Share eine beobachtende Kennzahl ist und kein Ranking oder Wettbewerbs-Scoreboard; Wettbewerber-Domains und Traffic-Anteile zeigt sie nicht.
Klicks erwähnt keine der beiden Ankündigungen. Was Bing der Search Console voraushat: ein Signal, das Suchanfragen ähnelt. Die Grounding Queries zeigen, zu welchen Themen eine KI deine Seiten herangezogen hat. Ich nutze sie als Input für Inhalte, etwa um Themen zu finden, bei denen du für eine Teilfrage zitiert wirst, für die naheliegende nächste aber nicht. Wenn Bing dir wenig Traffic bringt, lies den Verlauf der Zitierungen, nicht die absoluten Zahlen.
GA4: der Channel „KI-Assistent“ und wann du einen eigenen brauchst
Am 13. Mai 2026 hat Google Analytics den Channel „KI-Assistent“ in die Standard-Channelgruppe aufgenommen. Laut Dokumentation der Standard-Channelgruppe gilt:
- Der Channel erfasst Besuche über Quellen wie ChatGPT, Gemini, Deepseek, Copilot oder Grok.
- Übersichten mit KI und der KI-Modus von Google sind ausgeschlossen. Diese Klicks landen in Organische Suche.
- Technisch setzt GA4 das Medium auf
ai-assistantund die Kampagne auf(ai-assistant), wenn die Referrer-URL zu einer Liste von KI-Assistenten passt. Welche Referrer auf dieser Liste stehen, sagt die Hilfeseite nicht.
Daraus folgen drei Dinge. Erstens: Klicks aus Googles KI-Funktionen sind in GA4 genauso wenig als eigene Zahl sichtbar wie in der Search Console. Zweitens: Der Channel funktioniert nur, wenn ein Referrer ankommt. Ein Besuch aus einer App oder einem Browser ohne Referrer landet in Direct, und keine Channel-Regel holt ihn zurück. Drittens: Weil die Hilfeseite die Liste nicht nennt, prüf selbst, wo deine KI-Quellen landen. Im Bericht Traffic-Akquisition stellst du die primäre Dimension auf Quelle/Medium der Sitzung und suchst nach den Domains der Assistenten, die dich interessieren. Taucht einer davon als referral statt ai-assistant auf, deckt die Standardliste ihn nicht ab.
Dann lohnt sich eine eigene Channelgruppe. Googles Hilfeseite zu benutzerdefinierten Channelgruppen enthält ein Beispiel für KI-Assistenten und sagt, der Channel müsse über „Verweis“ stehen, weil Traffic dem ersten Channel zugeordnet wird, dessen Regel passt. Eine Variante, die ich leichter pflegen kann, prüft die Quelle:
.*(chatgpt|openai|perplexity|claude|gemini|copilot|deepseek|grok).*
Zwei Regeln aus Googles Regex-Dokumentation sind hier wichtig: Regex in GA4 muss standardmäßig den ganzen Wert treffen, deshalb steht das Muster zwischen .*, und Groß- und Kleinschreibung zählt. Vergleich das Muster vor dem Speichern mit deiner tatsächlichen Quellenliste. Standard-Properties erlauben zwei eigene Channelgruppen, und sie gelten rückwirkend für deine Berichte.
Für B2B zählt der Channel mehr als die Sitzungen. Nimm deine Schlüsselereignisse (Formular, Demo-Anfrage, Kauf) in die Traffic-Akquisition nach Channel auf. Ein kleiner Channel mit hoher Conversion-Rate ist ein anderes Gespräch mit der Geschäftsführung als ein kleiner Channel voller Absprünge.
Prompt-Tracking-Tools: wann sie ihr Geld wert sind
Prompt-Tracker schicken eine feste Liste von Prompts regelmäßig an ChatGPT, Perplexity, Gemini und andere und halten fest, ob deine Marke oder URL vorkommt. Damit decken sie die eine Lücke ab, die keine Daten aus erster Hand schließen: Erwähnungen ohne Klick in Assistenten, die dir nichts berichten.
Die Grenzen stecken in der Methode. KI-Antworten werden pro Anfrage neu erzeugt und können sich von Durchlauf zu Durchlauf unterscheiden. Ein Tracker zieht also Stichproben, er zählt nicht. Die Prompt-Liste schreibst du oder der Anbieter, sie stammt nicht aus echten Nutzerdaten. Und ein „Visibility Score“ verrechnet diese Stichproben so, wie jeder Anbieter es für richtig hält. Für den deutschen Markt kommt hinzu: Prüf, ob das Tool deutsche Prompts aus Deutschland, Österreich oder der Schweiz abfragt oder nur englische aus den USA.
Meine Faustregel:
- Noch nicht, wenn der Channel „KI-Assistent“ in GA4 und der KI-Bericht in der Search Console kaum Aktivität zeigen. Kümmere dich zuerst um Crawlbarkeit, Indexierung und Inhalte; ein Tracker bestätigt dir sonst nur, dass du fehlst.
- Lohnt sich, wenn KI-Assistenten schon messbar Leads oder Umsatz bringen, du dich auf eine benennbare Reihe kommerzieller Fragen konzentrierst („bestes X für Y“, „X oder Y“) und jemand jeden Monat mit den Ergebnissen arbeitet.
- In jedem Fall: Halte die Prompt-Liste kurz, kommerziell und stabil, und lies Trends über Monate, nicht einzelne Durchläufe.
Wenn du das nicht selbst aufsetzen willst: Nach dem KI-Audit fragt das KI-Sichtbarkeits-Monitoring für 190 € im Monat dein Prompt-Set regelmäßig neu ab.
Ein einseitiger KI-Report für die Geschäftsführung
So würde ich ihn aufbauen. Jede Zeile sagt, was sie misst und was nicht.
| KPI | Quelle | Was sie zeigt | Was sie nicht zeigt |
|---|---|---|---|
| Impressionen in Übersichten mit KI und KI-Modus (monatlich, nach Seitengruppe) | Search Console, KI-Bericht | Wie oft Google Links zu dir in KI-Funktionen gezeigt hat | Klicks, Suchanfragen, Position in der Antwort |
| KI-Impressionsanteil nach Seitengruppe | KI-Bericht ÷ Leistungsbericht (Web) | Welche Inhalte Google in KI-Antworten nutzt | Ob dir das Traffic bringt oder kostet |
| Organische Klicks und CTR der Seiten mit hohem KI-Anteil | Search Console, Leistungsbericht | Ob diese Seiten noch Besuche bekommen | Welche Klicks aus der KI-Funktion kamen |
| Zitierungen in Bing/Copilot und wichtigste Grounding-Themen | Bing Webmaster Tools, AI Performance | Wo Microsofts KI dich zitiert | Klicks; den tatsächlichen Prompt |
| Sitzungen und Schlüsselereignisse aus KI-Assistenten | GA4, Channel „KI-Assistent“ (plus eigene Gruppe) | Besuche und Conversions aus ChatGPT, Gemini, Copilot und anderen | Besuche ohne Referrer; Klicks aus Googles KI |
| Nennungsrate bei 20–50 kommerziellen Prompts (optional) | Prompt-Tracker | Präsenz in Antworten ohne Klick | Echtes Suchvolumen; alles außerhalb der Stichprobe |
Schreib jeden Monat einen Satz darunter: was sich verändert hat, warum du glaubst, dass es sich verändert hat, und was du deshalb tust. Rechne die Zeilen nicht zu einem einzigen „KI-Sichtbarkeits-Score“ zusammen. Impressionen, Zitierungen und Sitzungen messen Verschiedenes in verschiedenen Systemen.
Womit du diese Woche anfängst
- Öffne den KI-Bericht in der Search Console und exportiere ihn nach Seiten.
- Verbinde ihn mit dem Leistungsbericht und such die zehn Seitengruppen mit dem höchsten KI-Impressionsanteil.
- Prüf in GA4 über Quelle/Medium der Sitzung, ob die Domains der KI-Assistenten im Channel „KI-Assistent“ landen.
- Bestätige deine Website in den Bing Webmaster Tools, falls noch nicht geschehen, und lies die Grounding Queries deiner meistzitierten Seiten.
Wenn KI-Sichtbarkeit für dein Team neu ist, geht meine KI-Checkliste Crawler-Zugriff, Rendering, zitierfähige Inhalte, Entitäten und Messung durch. Wenn du das Setup und den ersten Report für deine Website gebaut haben willst, gehört das zu meiner Arbeit an der KI-Suche.