Poisoned SERPs: Warum dein Ranking schwankt und der Rank Tracker falsch liegt
Poisoned SERPs („vergiftete“ Ergebnisseiten) sind Google-Ergebnisseiten, die normal aussehen, deren Treffer aber ganz oder teilweise ausgetauscht sind. Seit September 2026 liefert Google solche Seiten an automatisierte Abfragen aus, also an Rank Tracker und SEO-Tools wie Semrush, Ahrefs oder AccuRanker. Die Tools speichern dann Positionen, die echte Suchende nie sehen.
Wenn dein Ranking also über Nacht einbricht und am nächsten Tag wieder da ist, ist das nicht zwingend ein Google-Update. Hier steht, was die Anbieter bestätigt haben, wie du einen falschen Messwert erkennst und wie du damit arbeitest.
Was passiert: Google antwortet Tools mit falschen Seiten
Früher hat Google verdächtige Abfragen geblockt, etwa mit einem Captcha. Das Tool wusste dann, dass es keine Daten hat. Jetzt kommt eine vollständige Ergebnisseite mit normalem Aufbau zurück, nur stimmen die Treffer nicht. Nozzle beschreibt das so: Google lehnt diese Anfragen nicht ab, sondern beantwortet sie mit einer kompletten Seite, deren Ergebnisse falsch sind. Für ein Tool ist das schlimmer als eine Sperre, weil nichts im HTML die Seite als falsch markiert.
Ein Beispiel von Semrush: Eine brasilianische Suche nach einem Kinderwagenmodell lieferte die Geräteseite eines Dentalhändlers, weil beide das portugiesische Wort „carrinho“ verwenden.
Was bestätigt ist, und von wem
Alle großen Anbieter sehen das Problem, messen aber unterschiedlich. Die Zahlen sind deshalb nicht direkt vergleichbar.
- Nozzle (Studie vom 10. Oktober 2026, aktualisiert am 1. November): Ab dem 13. September schlugen Anfragen an Google massenhaft fehl, ab dem 20. September kamen vergiftete Seiten zurück. Seit dem 13. September war Seite 1 bei 14,3 % aller geprüften Ergebnisseiten betroffen, vorher bei 0,17 %. Seite 1 oder 2 zusammen: 26,9 % gegenüber 0,28 % vorher. Der bisher schlimmste Tag war der 31. Oktober mit 64,0 % (Seite 1 oder 2). Die 8 %, die du in früheren Berichten liest, stammen aus der ersten Fassung mit Daten bis 9. Oktober.
- AccuRanker (Beitrag vom 19. Oktober 2026, seither aktualisiert): Von Ende September bis Mitte Oktober lag der Anteil vergifteter Seiten in allen 22 Märkten zwischen 1,1 und 1,7 %, nach eigenen Filtern. Am 25. Oktober waren es 0,6 % auf Desktop und 1,0 % mobil. AccuRanker sieht kleinere Runden desselben Musters schon seit Ende Januar 2026.
- Ahrefs (Update vom 22. Oktober 2026): Je nach Datenanbieter sind 5 bis 20 % der Ergebnisse betroffen. In einem Nachtrag vom 6. November schreibt Ahrefs, die Daten für Seite 1 seien inzwischen weitgehend wiederhergestellt und stabil.
- DataForSEO (Beitrag vom 23. Oktober 2026): Seit dem 26. September waren laut CTO etwa 20 bis 30 % der abgefragten Ergebnisse vergiftet, seit dem 10. Oktober deutlich weniger. Selbst nach zwei Wiederholungen mit Abgleich gegen die Historie bleiben 2 bis 3 % vergiftet. Einen Filter, der das zu 100 % zuverlässig erkennt, gibt es laut DataForSEO noch nicht.
- Semrush (Stellungnahme vom 27. Oktober 2026): bestätigt das Problem als branchenweit und filtert erkennbar falsche Ergebnisse heraus. Eine Prozentzahl nennt Semrush nicht.
- DemandSphere sprach laut PPC Land von rund 11 % der täglichen Ergebnisseiten, ohne die Messmethode zu beschreiben.
Google hat sich Stand 7. November 2026 nicht öffentlich geäußert. Auf dem Search Status Dashboard steht für diesen Zeitraum nur das Spam-Update vom September, das am 24. September begann und knapp 14 Tage lief. Es überschneidet sich zeitlich mit dem Problem, was die Auswertung zusätzlich erschwert.
Warum Google das macht
Einen offiziellen Grund gibt es nicht. Die Anbieter vermuten übereinstimmend, dass Google das massenhafte Abgreifen von Suchergebnissen erschweren will, vor allem für KI-Training und KI-Antwortmaschinen. Rank Tracker wären dann Kollateralschaden. Das ist ihre Deutung, keine Bestätigung.
Belegbar ist der Zusammenhang, in dem das steht:
- Im Januar 2025 begann Google, für die Suche JavaScript vorauszusetzen. Ein Google-Sprecher sagte damals TechCrunch, das helfe, Dienste und Nutzer besser vor Bots und Missbrauch zu schützen.
- Am 19. Dezember 2025 verklagte Google SerpApi, einen Anbieter von Suchdaten, weil er Schutzmaßnahmen umgehe und Inhalte aus den Suchergebnissen weiterverkaufe.
- Am 2. November 2026 meldete DataForSEO, dass Google die neuen „goto“-Weiterleitungslinks in den Ergebnissen drosselt. Je schneller ein Tool die Links einer Seite auflöst, desto länger werden die Wartezeiten, bis zu 120 Sekunden pro URL.
So erkennst du eine vergiftete Ergebnisseite
Die Warnzeichen aus den Beiträgen von Nozzle, AccuRanker und DataForSEO:
- Fast die ganze Seite 1 ist auf einmal ausgetauscht. Die üblichen Domains fehlen, stattdessen stehen dort Foren, Social-Media-Seiten (laut Nozzle vor allem Facebook), Seiten aus anderen Ländern oder Treffer, die nur zu einem Wort der Suchanfrage passen.
- Ein Keyword stürzt ab, verwandte Keywords halten ihre Position. Ein echtes Problem mit einer Seite trifft meist mehrere Begriffe.
- Der Absturz passt nicht zur Historie. Nozzle rät, mit den üblichen Domains der letzten Wochen zu vergleichen, nicht mit gestern, denn gestern kann auch schon falsch gewesen sein.
- Er hält nicht. Laut Nozzle hatten 46,9 % der vergifteten Seiten ihre üblichen Treffer innerhalb von drei Tagen zurück, 90,4 % innerhalb von zwei Wochen. Eine echte Rankingänderung bleibt.
- Seite 2 sieht seltsam aus. Sie ist laut Nozzle anderthalbmal so oft betroffen wie Seite 1.
- Die Search Console widerspricht. Wenn deine Seite im Tool „verschwunden“ ist, die Search Console aber weiter Impressionen und Klicks zeigt, ist mit deiner Seite nichts passiert.
Zur Kontrolle suchst du selbst: in einem privaten Browserfenster, nicht eingeloggt, mit dem richtigen Land und möglichst dem richtigen Ort. Das skaliert nicht, reicht aber für die drei, vier Keywords, bei denen ein Absturz wirklich wehtun würde.
Wie du damit umgehst
- Einzelne Tageseinbrüche sind erst einmal unbestätigt. DataForSEO empfiehlt, einen Absturz erst ernst zu nehmen, wenn ein zweiter Messwert oder die Search Console ihn bestätigt.
- Schau auf Trends über mehrere Tage und ganze Keyword-Gruppen. Ein Cluster, das über eine Woche sinkt, ist ein Signal. Ein einzelner Ausreißer nicht.
- Nimm die Search Console als Referenz für deine eigene Website. Sie zeigt echte Impressionen und Klicks aus der Google-Suche, keine abgefragten Daten. Ihre Grenzen solltest du kennen: Die Position ist ein Durchschnitt über alle Suchanfragen, bei denen deine Seite erschienen ist, und wird nur erfasst, wenn es eine Impression gab. Die jüngsten Tage sind vorläufig. Und die Daten reichen nur 16 Monate zurück, also exportiere sie, wenn du diese Phase später noch auswerten willst.
- Frag deinen Rank Tracker, wie er filtert. Fragt er verdächtige Seiten neu ab? Vergleicht er mit der Historie? Markiert er unsichere Werte? Die Anbieter oben beschreiben das offen, andere nicht.
- Setz einen Hinweis in Reports. Wenn du an Chef oder Kunden berichtest, schreib dazu, dass Ranking-Daten seit Mitte September 2026 branchenweit unzuverlässig sind, mit Link auf eine der Quellen oben. DataForSEO empfiehlt, Reports ab dem 20. September zu kennzeichnen.
- Ändere nichts wegen eines einzelnen schlechten Messwerts. Keine Inhalte umschreiben, keine Änderungen zurückrollen, bevor die Search Console den Rückgang zeigt.
- Stell automatische Alarme um. DataForSEO rät, Alarme erst auszulösen, wenn zwei Messungen hintereinander dieselbe Änderung zeigen.
Für einen schnellen Blick gibt es meinen kostenlosen Ranking-Check. Er fragt deine Keywords für Berlin, Frankfurt und München ab, vergleicht die Ergebnisseiten der Städte miteinander und fragt verdächtige Seiten ein zweites Mal ab. Sieht eine Seite danach immer noch falsch aus, steht dort „Ergebnis unsicher“, statt eine Position als Tatsache anzuzeigen. Der Check nutzt Daten von DataForSEO und ist damit genauso betroffen wie jedes andere Tool. Er ist eine Momentaufnahme, kein Urteil.
Was passiert, wenn du davon nichts weißt
Die Gefahr liegt weniger in den Daten selbst als in den Entscheidungen, die darauf aufbauen:
- Du hältst einen Messfehler für einen Rankingverlust und schiebst ihn auf ein Google-Update.
- Du rollst eine gute Änderung zurück oder schreibst eine Seite um, die völlig in Ordnung war.
- Ein Kundenreport zeigt einen Einbruch, der nie stattgefunden hat, und daraus wird eine Budgetentscheidung.
- Automatische Alarme melden Abstürze, das Team verbringt einen Tag mit der Suche nach einer Ursache, die es nicht gibt.
- Eine Wettbewerbsanalyse vergleicht dich mit Domains, die nur auf ausgetauschten Seiten auftauchen.
- Tools für KI-Sichtbarkeit, die auf denselben Google-Daten aufbauen, zeigen dieselben Fehler. Wie du Sichtbarkeit in KI-Suche und Übersichten mit KI mit Daten aus erster Hand misst, steht in meinem Beitrag zu KI-Sichtbarkeit in Search Console und GA4.
Fazit: Search Console zuerst
Rank Tracker bleiben nützlich, um Trends und Wettbewerber zu sehen. Als einzige Quelle für „wir haben Rankings verloren“ taugen sie im Moment nicht. Wenn ein Ranking schwankt, prüfe zuerst die Search Console, dann die Ergebnisseite selbst im privaten Fenster, und reagiere erst, wenn beides den Rückgang zeigt.
Für einen schnellen Blick auf drei Städte nutze den kostenlosen Ranking-Check. Wenn du wissen willst, ob hinter einem Rückgang wirklich etwas steckt, etwa ein technisches Problem, wertet die Diagnose für 290 € 16 Monate Search-Console-Daten im Abgleich mit Googles Updates aus. Die beruht auf deinen echten Daten, nicht auf abgefragten Ergebnisseiten.